Djiparmissa Klassische deutsche Gedichte auf Romanes

Übersetzt u. herausgegeben von Reinhold Lagrene
zweisprachig Romanes-Deutsch, 160 S., gebunden
Verlag Das Wunderhorn: Heidelberg 2018

Das Romanes, die Sprache der Sinti und Roma, ist durch die euro­päi­sche Sprachen­charta als einzig­arti­ger Bestand­teil des kul­tu­rel­len Erbes Europas an­er­kannt. Sie wird in den Fami­lien mündlich wei­ter­ge­ge­ben und ist eine wich­tige kul­tu­relle Res­source der Minderheit. Eine (Anm.: ein­heit­liche und all­gemein an­erkannte) Kodifi­zie­rung der Sprache gibt es je­doch noch nicht. Der öffent­liche Gebrauch des Roma­nes ist lange Zeit von vie­len An­gehö­rig­en der Minder­heit ab­gelehnt wor­den. Zu sehr wirk­ten die Schrecken der natio­nal­sozia­lis­ti­schen Ver­folgung und des Holocausts, dem europa­weit über eine halbe Mil­lion Sinti und Roma zum Opfer fielen, nach. So­genannte Rassen­forscher, die ab 1936 von der SS mit der voll­ständi­gen Er­fas­sung der Minder­heit be­auf­tragt wurden, hat­ten die Sprache der Sinti und Roma erlernt, um sich deren Ver­trauen zu er­schlei­chen, auf deren Grund­lage später die De­por­ta­tio­nen in die Gettos und Ver­nich­tungs­lager in das be­setzte Polen er­folgten. Mitt­ler­weile ist die inter­ne Diskus­sion um den Sprach­erhalt und die Sprach­pflege fort­ge­schrit­ten und Rein­hold Lagrene sah es als seine Auf­gabe an, das Be­wusst­sein der Sinti und Roma für die Be­deu­tung der eigenen Sprache zu stärken. Anhand der Übersetzung von Ge­dichten deut­scher Klas­siker zeigt er, dass das Romanes eine Sprache ist, deren Leben­dig­keit und Vielfalt sich ebenso für den lyris­chen Aus­druck eig­net wie die Sprache der von ihm über­setzten Werke. Den eige­nen Leuten den sprach­lichen Reichtum des Romanes näher­zu­brin­gen und auch der Gesell­schaft zu zeigen, dass die Minder­heiten­sprache Romanes alles an­dere als ein Nischen­pro­dukt ist, hatte er sich zum Ziel ge­setzt.

Zum Herausgeber:
Reinhold Lagrene (gest. 2016) war seit den 1970er Jahren in der Bürger­rechts­bewegung der Sinti aktiv. Seit der Grün­dung des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma 1982 war er dort Vor­stands­mit­glied. An­fang der 1990er Jahre war er am Aufbau des Doku­men­tations- und Kultur­zentrums Deutscher Sinti und Roma be­tei­ligt und wur­de hier eben­falls in den Vorstand gewählt. 2001 über­nahm er nach langer Tätig­keit in den Landes­ver­bän­den Baden-Württem­berg und Rhein­land-Pfalz des Ve­rbands Deutscher Sinti und Roma die Leitung des Referats Bildung im Do­kumen­tations­zentrum. Zu­sam­men mit dem Musiker Romeo Franz ent­wickelte er das Pro­jekt »Parmissi« – Erzählun­gen und Lieder der Sinti und Roma.

(www.wunderhorn.de)

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