Solidarität mit den Unterdrückten und Entrechteten

Im Österreichischen Kulturforum in New York wurde am vergangenen Donnerstag die Dokumentation „Schatten der Scham“ von Sabina Zwitter Grilc, ORF-Journalistin und Mitarbeiterin von „Heimat Fremde Heimat“, gezeigt.

Als besonderen Gast konnte das Österreichische Kulturforum die australisch-amerikanische Autorin Lily Brett begrüßen. Brett spricht in dem Film – neben Harry Belafonte, Peter Handke, André Heller und vielen anderen – über die Weitergabe des NS-Traumas. Nach der Präsentation vor vielen jüdischen Holocaust-Überlebenden und Emigranten betonte Lily Brett im Gespräch mit der Filmautorin, wie wichtig es sei, das Leid der Opfer in schriftlicher und filmischer Form für die Nachwelt festzuhalten. Erst das Benennen des Leides mache es möglich über Heilung des Traumas nachzudenken. „Am wichtigsten ist jedoch die Solidarität mit jenen, die heute unterdrückt und entrechtet werden“, mahnte die Schriftstellerin eindringlich.

Lily Brett im Gespräch mit Sabina Zwitter Grilc im Österreichischen Kulturforum in New York

Stefanie Korherr

Lily Brett (li) im Gespräch mit Sabina Zwitter Grilc (re)

Lily Brett

Lily Brett, Nachfahrin polnisch-jüdischer Eltern, ist Schriftstellerin in New York City. Sie lebte von 1948–1989 in Australien und war Reporterin des Musikmagazins „Rolling Stone“. Lily Brett ist eine der meistgelesenen Autorinnen der zweiten NS-Opfergeneration und klärt mit ihren Romanen, Novellen und Gedichten auf überraschend unterhaltsame Weise über die Folgen des Holocaust und die Weitergabe des NS-Traumas auf.

Empathie und nicht Rache

Lily Bretts Eltern konnten beide das Konzentrationslager Auschwitz überleben und sich nach dem Krieg finden. Bretts Mutter habe ihr einen Grundsatz mit auf den Lebensweg gegeben, der sie bis heute bestimmt: „Es ist nicht wichtig, dass wir überlebt haben, sondern, dass wir als ‚Menschen‘ überlebt haben.“ Diese Mitmenschlichkeit, diese Perspektive, im Feind immer auch den Menschen zu erkennen, wollte die Autorin dem Publikum mit auf den Weg geben. Vor allem nach den immer wieder schockierenden Berichten der Verbrechen der Nationalsozialisten und ihre Folgen – wie im Film „Schatten der Scham“ die Einblicke in die Seelen der Opfer zeigen – sei es wichtig Empathie und nicht Rache in den Vordergrund des Denkens zu stellen.

Präsentation der Dokumentation "Schatten der Scham" im Austrian Cultural Forum in New York

Stefanie Korherr

vlnr. Österreichisches Kulturforum-Direktor Michael Haider, Nationalfonds-Leiterin Hannah Lessing, Autorin Lily Brett, Filmautorin Sabina Zwitter Grilc

Volksgruppen als Bereicherung

„Die besondere Leistung von ‚Schatten der Scham‘ ist es, dass in dieser Filmdokumentation das Leid der jüdischen Holocaust-Opfer mit jenem der Roma und Kärntner SlowenInnen zusammengebracht wird“, betonte in ihrer Einleitung zur Filmpräsentation die Leiterin des Österreichischen Nationalfonds, Hannah Lessing. In diesem Sinne sei es dem Österreichischen Kulturforum ein besonderes Anliegen in den USA zu zeigen, dass die österreichischen Volksgruppen – von den Kärntner Slowenen bis zu den Roma – Österreich durch ihre Muttersprachen bereichern, betonten sowohl der Direktor des Kulturforums, Michael Haider, wie auch sein Vize, Christian Ebner. Daher werde die Arbeit von Autoren aus der Volksgruppe, wie etwa jene von Maja Haderlap, auch aktiv unterstützt.

Präsentation der Dokumentation "Schatten der Scham" im Austrian Cultural Forum in New York

Stefanie Korherr

Im Publikum u.a. Timo de Weduwen – International Institute for Counter-Terrorism (mi), Sarah Hilding – United Nations Office for the Coordination of Humanitarian Affairs (re)

Leidensgeschichte der eigenen Familie thematisieren

„Nicht wir Jüdinnen und Juden, sondern die andern sollten sich ‚Schatten der Scham‘ ansehen und das gleich mehrfach“, forderte in der Diskussion eine Besucherin. Manche Nachkommen der jüdischen Opfer sahen den Film an diesem Abend als Anstoß, Einblick in die Leidensgeschichte ihrer eigenen Familien zu geben. Die Auswirkung der Gewalt der Nationalsozialisten auf das Leben der Opfer in zweiter und dritter Generation rückte in der Diskussion in den Mittelpunkt. Erwähnte Beispiele aus Österreich und den USA machten sichtbar, dass sowohl der europäische Antisemitismus als auch jener in den USA bittere Realität ist und die Leugnung des Holocausts bzw. das Nichtwissen darüber auf der Tagesordnung steht.

Präsentation der Dokumentation "Schatten der Scham" im Austrian Cultural Forum in New York

Stefanie Korherr

Präsentation von „Shadows of Shame“ im Österreichischen Kulturforum in New York

Schatten der Scham / Shadows of Shame

Der Dokumentarfilm „Schatten der Scham“ (in der englischen Version „Shadows of Shame“) von Sabina Zwitter Grilc befasst sich mit den Traumata, die der nationalsozialistische Wahnsinn in der Vergangenheit verursacht hat und gegenwärtig noch verursacht. Dabei gehen drei junge Frauen der Frage nach, warum es zu diesem Verbrechen kommen konnte. Betroffene aus den Reihen der Kärntner SlowenInnen, der Roma und Romnja sowie der Jüdinnen und Juden kommen zu Wort. Darüber hinaus nehmen zahlreiche prominente Personen Stellung. Der Film versteht sich als eine Würdigung der Opfer des Rassenwahns, die in bewegenden Erzählungen Einblick in ihr erlittenes Leid geben.

 

Source: volksgruppen.orf.at

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