Ari Rath Preis für Silvana Meixner & Helmut Brandstätter

Silvana Meixner, die Leiterin der ORF-Sendung „Heimat Fremde Heimat“, ist gestern Abend mit dem „Ari Rath Preis für kritischen Journalismus“ ausgezeichnet worden. „Kurier“- Herausgeber Helmut Brandstätter erhielt den Ehrenpreis.

Zum zweiten Mal wurde gestern Abend im Bruno Kreisky Forum für internationalen Dialog der „Ari Rath Preis für kritischen Journalismus“ vergeben. Mit dem Preis, der auf der Basis einer Privatinitiative eingerichtet wurde, werden Journalistinnen und Journalisten ausgezeichnet, die sich in ihrer Arbeit um eine kritische Auseinandersetzung und der Wahrung der Menschenrechte verpflichtete Berichterstattung über Flucht, Vertreibung und Asyl in hervorragender Weise verdient gemacht haben – ganz im Sinne des Namengebers, des 2017 verstorbenen Journalisten Ari Rath, dem ehemaligen Chefredakteurs der Jerusalem Post.

Journalistische Engagement für Minderheiten

Die Moderatorin und Sendungsverantwortliche Silvana Meixner engagiere sich journalistisch weiterhin für geflüchtete Menschen, ethnische Minderheiten und Menschenrechte, trotz ihrer schweren Verletzung durch die Briefbombe, die sie im Dezember 1993 erhielt, hieß es in der Begründung der Jury. „Sie hat im ORF ein Team erstklassiger arbeitender Journalisten und Journalistinnen aufgebaut, die weit über die Stammredaktion von ‚Heimat, fremde Heimat‘ hinausstrahlt“, betonte Gertraud Borea d’Olmo, Jury-Vorsitzende und enge Vertraute von Ari Rath.

Demokratie „gegen Missbrauch“ schützen

Angesichts der „Aggression, der Journalistinnen und Journalisten in Österreich vermehrt ausgesetzt seien“ wurde beschlossen, auch einen Ehrenpreis zu vergeben, so Borea d’Olmo. Helmut Brandstätter habe immer wieder „ganz konsequent bewiesen, dass die liberale Demokratie durch offene und professionelle journalistische Analyse in Bewegung gehalten und gegen Missbrauch geschützt werden muss“, so die Jury-Vorsitzende.

„Wir sind die und die sind wir“

Laudator Gerhard Zeiler, Time Warner-Chief Revenue Officer, hob Silvana Meixner’s besondere Fähigkeit der Einfühlsamkeit hervor: Im Sinne des Sendungstitel „Heimat Fremde Heimat“ verstehe und sehe sie sich auf beiden Seiten eines Spannungsfeldes, im Sinne von „Wir sind die und die sind wir“. Auch sei die Redaktion von Silvana Meixner ein Beispiel dafür, „wie friedliches Zusammenleben zwischen Menschen unterschiedlicher Herkunft, unterschiedlicher Kultur funktionieren kann.“ Ihr journalistisches Ziel sei es, die „Trennung des Wir und die Anderen zu überwinden“ und den Dialog zu führen, „oft leidenschaftlich, aber immer im Respekt vor den Anderen“. Ein weiteres Hauptziel ihrer Sendung sei es, Themen in den Vordergrund zu stellen, die sonst sehr leicht in Vergessenheit geraten. Dabei bekommen Menschen, die kaum eine politische Lobby haben oder die um die Augenhöhe kämpfen müssen, eine Stimme.

Unabhängige Berichterstattung garantieren

Zeiler plädierte darüber hinaus für die Diversität, die in der Wirtschaft als Erfolgsfaktor gesehen werde, auf allen Ebenen, auch im Alltagsleben. Schließlich äußerte sich der Laudator auch zu einem starken ORF: „Ich wüsste schon einiges, was ich gern anders hätte im ORF, aber das verblasst alles hinter dem Faktor, dass die wesentlichste Aufgabe vom ORF, die in hervorragendster Weise erfüllt wird, die Tatsache ist, eine unabhängige Berichterstattung zu garantieren.“ In diesem Sinne sollten Journalistinnen und Journalisten auch „unbequeme Fragen“ stellen, „unbequeme Themen“ aufgreifen.

Ari Rath Preis an Silvana Meixner und Helmut Brandstätter

ORF

Ari Rath Preisträgerin Silvana Meixner

Empathisches Interesse an den Menschen

In ihrer Dankesrede hob Silvana Meixner die Vorbildfunktion des Journalisten und Versöhners Ari Rath hervor: Kritischer Journalismus zeichne sich „durch akribisches, unermüdliches Arbeiten, Empathie und Engagement“ aus. Vor allem das empathische Interesse an den Menschen, welches Ari Rath auch nach seiner Flucht vor den Nazis als 13-Jähriger nicht verloren hatte, sei für die journalistische Arbeit unverzichtbar, so Meixner. Es sei auch die Aufgabe von Journalistinnen und Journalisten mit ihrer Arbeit die Öffentlichkeit vor populistischen Verführungen zu bewahren.

Gegen den Strom schwimmen

Nur wenn die Menschen erkennen würden, welche Folgen Rassismus, Fremdenfeindlichkeit, Hass und Neid haben, bestehe die Möglichkeit, dass das Humane, das Empathische Überhand gewinnt. „Um dieses Ziel zu erreichen, ist es wichtig, dass man auch als Journalistin gegen den Strom schwimmt. Eine Eigenschaft, die durch die Jahrzehnte zu meiner zweiten Natur wurde“, sagte Meixner. „Objektivität und Gleichberechtigung können erst erreicht werden, wenn man auch die Schwächsten, jene ohne Stimme und Lobby, zu Wort kommen lässt.“ Darin liege die Bestimmung von „Heimat Fremde Heimat“ und der Minderheitenredaktion. Zum Abschluss plädierte Silvana Meixner an das Publikum, „jeden Tag, jede Stunde und in allen Lebenslagen für ein friedliches Miteinander“ aufzustehen.

Ari Rath Preis an Silvana Meixner und Helmut Brandstätter

ORF

vlnr. Franz Vranitzky, Helmut Brandstätter, Michael Strebl

Pressefreiheit als Grundlage der Demokratie

Preisträger Helmut Brandstätter erinnerte am Internationalen Tag der Pressefreiheit an diese besondere Errungenschaft als „Grundlage unserer Demokratie“, kritisierte die Regierung, Medienmacher kontrollieren zu wollen und plädierte an die – unter anderem auch zahlreich anwesenden – Journalistinnen und Journalisten ohne Angst ihrer Arbeit nachzugehen: „Wir dürfen niemals darüber nachdenken, ob uns eine Formulierung schaden könnte. Wir müssen unser Hirn ausschließlich dafür verwenden, nach der Wahrheit zu suchen. Die Sekunde, in der man Gedanken nach möglichen negativen Konsequenzen zulässt, ist schon das Ende von freien Medien.“ Die Laudatio auf Kurier-Herausgeber Helmut Brandstätter, hielt Altbundeskanzler Franz Vranitzky.

Den ersten Ari Rath Preises hat im Vorjahr Alexandra Föderl-Schmid, ehemalige „Standard“-Chefredakteurin und jetzige Israel-Korrespondentin der Süddeutschen Zeitung, erhalten. Die Mitglieder der Jury des Ari Rath Preises sind Gertraud Borea d’Olmo, Kommunikationswissenschaftler Fritz Hausjell, Rubina Möhring, Präsidentin von Reporter ohne Grenzen und der Historiker Oliver Rathkolb.

 

Source: volksgruppen.orf.at

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