[GER] Interview mit „Roma Armee“-Darstellerin Riah Knight

Find english version here

 

Sie hat blonde Haare, helle Haut und die wenigsten würden denken, sie stammt von Roma ab: Riah Knight hat in in Yael Ronen’s international besetztem Stück „Roma Armee“ ihre erste große Theaterrolle erhalten. Vor ihrem Auftritt im Wiener Volkstheater am 16. Juni sprach Riah mit romblog.at über ihre Kindheit als Romnja in England, Emanzipation und Ignoranz.

 

Was macht ,,Roma Armee“ so besonders?

„,Roma Armee‘ ist von sich aus revolutionär. Es bringt Menschen aus ganz Europa aus unterschiedlichen Altersgruppen, mit unterschiedlichen sexuellen Ausrichtungen zusammen. Diese Vielfalt ist eine Grundvoraussetzung für unsere Gemeinschaft.

Wir [Roma, Anm.] hatten nie die Chance, uns und unsere Anliegen auf einer nationalen Bühne zu artikulieren und ich finde, es ist im Jahr 2018 höchste Zeit dafür. […] Deshalb sehe ich das Theaterstück als Fortschritt […] Es soll einen Wandel herbeiführen und Menschen eine Plattform geben, die sie bisher nicht hatten. […]

Ich finde, wir leben in einer sehr beängstigenden Zeit, wenn man an Populisten wie Donald Trump oder die AfD in Deutschland denkt. Vor ein paar Tagen sind sie [AfD-Anhänger, Anm.] auf der Straße marschiert und ich fand es sehr beängstigend, dass es nun wieder losgeht mit fremdenfeindlichen Parolen und offenen Drohungen gegen Minderheiten. Es gibt im Moment diese furchterregende Stimmung auf der ganzen Welt. […] Dinge, die Menschen aus unterdrückten Minderheiten näher zusammenbringen sind […] sie erzählen eine andere Geschichte aus ihrer Perspektive und präsentieren sich als stark, obwohl sie normalerweise unterdrückt werden. Das ist eine sehr tolle Sache. Es sollte mehr ‚Roma Armeen‘ geben. Umso mehr es von ihnen gibt, desto besser.

 

,,Je mehr Roma Armeen es gibt, desto besser!“

 

 

 

 

Warum haben Roma und Nicht-Roma noch immer so ein angespanntes Verhältnis?

Ich glaube, es liegt in erster Linie an gegenseitiger Ignoranz. Jede Form von Rassismus und Verfolgung hat ihren Ursprung in fehlendem Verständnis füreinander. Das ist aus meiner Sicht auch das Hauptproblem bei der Hetze von Roma durch die Nicht-Roma-Gesellschaft. […] Das Volk der Roma fürchtet sich vor den Nicht-Roma, weil sie lange Zeit von ihnen verfolgt worden sind. Deshalb wird bei uns [Roma, Anm.] immer sehr schnell ein Selbstverteidigungs-Reflex ausgelöst. Dieser Reflex besteht darin, sich von der externen Gesellschaft abzugrenzen.

Andererseits finde ich, dass Romani in England heutzutage sehr gut integriert sind. Sie sind sehr angepasst, weil sie sich dazu gezwungen sahen und leben ein sehr „britisches“ Leben. Ich sehe auch mich selbst auch als eine Person, die aus England kommt, eine britische Staatsbürgerin, aber auch gleichzeitig als Romnja. Diese beiden Dinge schließen einander nicht aus. Jedenfalls liegt es in erster Linie an fehlendem Verständnis und einem Mangel an Wissen auf beiden Seiten, dass Roma und Nicht-Roma Probleme miteinander haben.“

 

Wie wurdest du für „Roma Armee“ gecastet?

„Ich bin zu dieser Rolle eingeladen worden. Damien und Delaine Le Bas haben mich für das Stück vorgeschlagen. Es war mir sehr wichtig, bei „Roma Armee“ mitzuarbeiten, um mich mit meiner eigenen Identität als Romnja auseinanderzusetzen. Ich habe meine Wurzeln nie versteckt, aber ich habe mich bis dahin auch nicht in meiner Arbeit als Künstlerin damit beschäftigt. Es war also mein erster Schritt in die professionelle Theater-Branche und gleichzeitig auch mein Debüt als Kunstaktivistin.“

 

***

 

What is the unique thing about „Roma Armee“?

Riah Knight: „Well, I think, as a production, Roma Armee is in itself revolutionary because it’s bringing together Roma and Romanis from all over Europe of different ages, of different sexual

(c) Gorki

orientations, of different backgrounds and that in itself is a first for our community. We’ve never been given a space on a national stage before and, you know, it’s 2018 and that really says something about our people. […] So in that way I see it as progress  […] that’s making a change and that’s giving space to people who haven’t had space before. […] I think we’re living in a time which is very scary, we have a lot of politics happening at the moment, globally, with Trump, Korea, Germany […] Just the other day the AFD were marching on the streets and it was a scary moment to see that happening again in Germany. Was it happening again? There’s this dark undertone which is travelling through the world at the moment. […]

 

„The more Roma Armies, the better!“

 

Things that bring together people that are normally oppressed are, therefore […] counter to that, they are showing a different narrative and they are showing a strength in the normally oppressed body of society and that is a powerful thing. We need more of it. The more Roma Armies, the better.

 

Why is there so much tension between Roma and Non-Roma people?

Well, I think, it has its roots in ignorance. I think all racism and persecution is rooted in a lack of understanding and I would say this is the main issue with the persecution of the Roma by the Non-Roma community. […] On the Roma side, there is a fear of the external society because if you have been persecuted as a group for a long time, you go into a mode of defense. That defense is to be closed off to the culture of the external society. But then saying that […] Actually, I think that […] Especially in England, the Romanis are very integrated, they’re very assimilated into society and mostly that’s because they have been forcably integrated to the society, but they are still living in a British way. I see myself as a British citizen, an English person as well as a Romani. Those things are not counterintuitive. In that sense I would say it is a lack of understanding and a lack of knowledge on both sides.”

 

How did you get cast for the play „Roma Armee“?

“I was invited to be part of the cast. I was recommended for the role by the artists Damian and Delaine Le Bas. For me, to be involved, it felt like a very important thing, for my own identity as a Romani […] It felt like a coming-out. I never concealed my heritage, but I never really was that connected to it through my work as musician or actress. This was my first step into professional theater and also my first step into art activism.”

 


Riah May Knight, geboren 1996 als Tochter von Aktivist*innen, ist Singer/Songwriterin und Schauspielerin aus einem kleinen Dorf in Sussex, England. Als britische Romni politisierte sich Riah im Umfeld der Roma-Bürgerrechtsbewegung und begann in diesem Rahmen ihre künstlerische Tätigkeit. Durch ihre Rolle in der Produktion ROMA ARMEE am Gorki betrat Riah das Feld des künstlerischen und schauspielerischen Aktivismus.

Im September 2018 wird sie in der Produktion YES BUT NO erneut im Gorki zu sehen sein. Riah tritt weiterhin als Solo-Musikerin auf und arbeitet an ihrem Debütalbum.

 

Weiterführende Links:

Rezension Kurier (18.6.2018)

Roma Armee (Gorki)

 

Produziert von: ROMBLOG 2018

Gestaltung: Philipp Pinterits

Kamera: Christina Lingorova

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.